Aktuelles
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Nachweis eines niedrigeren gemeinen Wertes eines Grundstücks
Der Steuerpflichtige, der Immobilien erbt, kann für Zwecke der Erbschaftsteuer einen niedrigeren als den vom Finanzamt festgestellten Wert mittels eines Sachverständigengutachtens nachweisen. Finanzamt und Finanzgericht dürfen ein derartiges Gutachten nicht pauschal zurückweisen und dies damit begründen, dass die Immobilien innerhalb eines Jahres nach dem Erbfall zu einem höheren Kaufpreis verkauft worden seien. Hintergrund: Wird ein Grundstück vererbt, muss der steuerliche Wert des Grundstücks festgestellt werden, damit dieser der Erbschaftsteuer zu Grunde gelegt werden kann. Der Steuerpflichtige kann nach dem Gesetz mittels eines Sachverständigengutachtens, das vom zuständigen Gutachterausschuss oder von einem staatlich anerkannten Sachverständigen erstellt worden ist, einen niedrigeren Wert nachweisen. Der Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts kann auch durch einen Kaufpreis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Bewertungsstichtag zustande gekommen ist, erbracht werden. Sachverhalt: Der Kläger erbte zwei Grundstücke. Für die Ermittlung ließ er zwei Sachverständigengutachten erstellen, aus denen sich Werte in Höhe von 210.000 € und 305.000 € für die beiden Grundstücke ergaben. Etwa sieben Monate nach dem Erbfall veräußerte der Kläger die beiden Grundstücke für 380.000 € und 520.000 €. Das Finanzamt stellte den Wert der beiden Grundstücke auf ca. 290.000 € und ca. 405.000 € fest, ohne die Sachverständigengutachten zu berücksichtigen. Gegen diese Wertfeststellungen klagte der Kläger. Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab und berücksichtigte ebenfalls die Sachverständigengutachten nicht. Es war der Auffassung, dass die Gutachten durch die höheren Kaufpreise, die der Kläger sieben Monate nach dem Erbfall erzielt hatte, widerlegt seien. Hiergegen legte der Kläger Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof (BFH) ein. Entscheidung: Der BFH gab der Nichtzulassungsbeschwerde statt und verwies die Sache an das FG zurück: Das FG hat einen Verfahrensmangel begangen, indem es die Sachverständigengutachten pauschal abgelehnt hat, anstatt konkrete Mängel zu ermitteln. Wird ein Gutachten auf der Grundlage der gesetzlichen Wertermittlungsvorschriften erstellt, wird ihm regelmäßig zu folgen sein. Stellt das Gericht Mängel am Gutachten fest, darf es nicht ohne Weiteres das gesamte Gutachten unberücksichtigt lassen. Vielmehr muss es die Fehler korrigieren, sofern dies ohne Sachverständige möglich ist. Hat der Gutachter z.B. einen Abschlag vom Grundstückwert vorgenommen, ohne diesen hinreichend zu begründen, kann das Gericht diesen Abschlag streichen. Eine pauschale Ablehnung des Gutachtens ist jedoch nicht zulässig. Zu Unrecht hat das FG die Fehlerhaftigkeit der Gutachtenwerte damit begründet, dass beide Grundstücke innerhalb eines Jahres nach dem Erbfall zu einem höheren Preis als dem Gutachtenwert verkauft worden seien. Der Kaufpreis, der bei einem Verkauf innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Bewertungsstichtag (Erbfall) erzielt wird, kann nur dazu dienen, einen niedrigeren Wert nachzuweisen. Er kann nicht dazu verwendet werden, einen höheren Wert nachzuweisen. Hinweis: Das FG muss sich nun mit den einzelnen Passagen der beiden Sachverständigengutachten auseinandersetzen, z.B. mit den vom Gutachter vorgenommenen Abschlägen für festgestellte Mängel. Eine pauschale Zurückweisung der Gutachten darf das FG nicht mehr vornehmen. Insbesondere darf es auch nicht aus den erzielten höheren Kaufpreisen den Rückschluss ziehen, dass die beiden Sachverständigengutachten fehlerhaft seien. Quelle: BFH, Beschluss vom 04.08.2026 – II B 87/25; NWB
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Verzinsung von Umsatzsteuernachzahlungen verstößt nicht gegen Europarecht
Der Bundesfinanzhof (BFH) hält die sog. Vollverzinsung, d.h. die Zinspflicht für Steuernachzahlungen, im Bereich der Umsatzsteuer für europarechtskonform. Dies gilt auch für Verzinsungszeiträume bis einschließlich 2018, für die ein Zinssatz von 6 % p.a. galt. Hintergrund: Steuernachzahlungen sind ebenso wie Steuererstattungen zu verzinsen. Der Zinslauf beginnt 15 Monate nach Ablauf des Veranlagungszeitraums, also z.B. ab dem 1.4.2026 für den Veranlagungszeitraum 2024. Seit dem 1.1.2019 beträgt der Zinssatz 0,15 % pro Monat, also 1,8 % pro Jahr. Bis einschließlich 2018 belief sich der Zinssatz auf 0,5 % pro Monat, also auf 6 % pro Jahr. Zur geplanten Neuregelung s. Hinweise unten. Sachverhalt: Die Klägerin war eine umsatzsteuerliche Organträgerin, so dass sie auch die Umsatzsteuer für ihre Organgesellschaften abführen musste. Im Jahr 2012 begann bei der Klägerin eine Außenprüfung, die das Jahr 2007 betraf. Im Jahr 2019 wurde die Außenprüfung beendet, und das Finanzamt erließ einen Änderungsbescheid zur Umsatzsteuer 2007. Der Bescheid führte zu einer Nachzahlung zu Lasten der Klägerin in Höhe von ca. 3,8 Mio. €; zugleich wurden Zinsen zur Umsatzsteuer 2007 in Höhe von ca. 1,8 Mio. € festgesetzt. Die Klägerin klagte gegen die Zinsfestsetzung und machte geltend, dass die Verzinsung von Umsatzsteuernachzahlungen europarechtswidrig sei. Entscheidung: Der BFH wies die Klage ab: Die Verzinsungsregelung, die sich aus dem deutschen Verfahrensrecht ergibt, dient nicht der Durchführung des EU-Rechts. Daher steht der Klägerin der Weg für eine europarechtliche Prüfung nicht offen. Selbst wenn die Verzinsungsregelung der Durchführung von EU-Recht dienen würde, würde sie nicht dem Europarecht widersprechen. Insbesondere würde die Verzinsungsregelung den europarechtlichen Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit, der Äquivalenz und der Effektivität genügen. Ein Vorabentscheidungsersuchen an den Europäischen Gerichtshof scheidet somit aus. Hinweis: Die Klägerin hatte das „Pech“, dass ihre Nachzahlung in die Hochverzinsungsphase, die bis zum 31.12.2018 dauerte, fiel. Daher belief sich der Zinssatz auf 6 % p.a.; erst ab dem 1.1.2019 wurde der Zinssatz aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auf 1,8 % p.a. gesenkt. Der hohe Zinssatz von 6 % war vom Bundesverfassungsgericht für den Zeitraum bis zum 31.12.2018 im Ergebnis gebilligt worden. Mit ihrer Klage, die sich auf die Europarechtswidrigkeit stützte, versuchte die Klägerin nun, über das Europarecht den Zinssatz für den Bereich der Umsatzsteuer für Zeiträume bis einschließlich 2018 anzugreifen; die Umsatzsteuer ist im Bereich der EU harmonisiert. Dieser Versuch der Klägerin scheiterte nun aber, weil der BFH den europarechtlichen Bezug der Vollverzinsung verneint hat. Allerdings ist das Urteil des BFH noch nicht rechtskräftig, da die Klägerin gegen das Urteil Verfassungsbeschwerde eingelegt hat, so dass die abschließende Entscheidung beim Bundesverfassungsgericht liegt. Der deutsche Gesetzgeber plant, den aktuellen Zinssatz von 1,8 % p.a. für Verzinsungszeiträume ab dem 1.1.2027 auf 3,6 % p.a., also 0,3 % pro Monat, zu verdoppeln. Grund hierfür sind die im Bankenbereich gestiegenen Zinsen. Quelle: BFH, Urteil v. 11.12.2025 – V R 7/24, Verfassungsbeschwerde eingelegt: Az. 1 BvR 1342/26; NWB
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Kein Betriebsausgabenabzug von Ausgleichszahlungen des insolventen Unternehmers in die Insolvenzmasse
Ausgleichszahlungen des Insolvenzschuldners in die Insolvenzmasse, die geleistet werden, nachdem der Insolvenzverwalter die selbständige Tätigkeit freigegeben hat, sind keine Betriebsausgaben. Zum einen fehlt es insoweit an einem Abfluss des Geldes, da die Ausgleichszahlungen weiterhin zum Vermögen des Insolvenzschuldners gehören. Zum anderen sind die Ausgleichszahlungen nicht betrieblich, sondern privat veranlasst.Hintergrund: Wird über das Vermögen eines Unternehmers das Insolvenzverfahren eröffnet, kann der Unternehmer den Insolvenzverwalter um die Freigabe der unternehmerischen Tätigkeit bitten. Gibt der Insolvenzverwalter die Tätigkeit frei, muss der Unternehmer als Insolvenzschuldner Ausgleichszahlungen für die insolvenzrechtliche Wohlverhaltensphase in die Insolvenzmasse leisten; die Höhe richtet sich nach dem pfändbaren Monatsbetrag, den der Insolvenzschuldner hätte, wenn er ein angemessenes Dienstverhältnis abgeschlossen hätte. Die Freigabe ermöglicht dem Insolvenzschuldner, dass er die darüber hinausgehenden Einnahmen für sich behalten kann. Sachverhalt: Der Kläger war Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und ermittelte seinen Gewinn durch Bilanzierung. Im Jahr 2017 wurde über das Vermögen des Klägers das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Insolvenzverwalter gab die selbständige Tätigkeit des Klägers frei, forderte den Kläger aber auf, Ausgleichszahlungen in die Insolvenzmasse zu leisten. Der Insolvenzverwalter ging dabei von einem fiktiven Monatseinkommen von ca. 3.700 € und einem pfändbaren Monatsbetrag von ca. 1.300 € aus. Der Kläger leistete im Streitjahr 2017 Ausgleichszahlungen in die Insolvenzmasse für mehrere Monate in Höhe von ca. 6.000 € und machte diese als Betriebsausgaben geltend. Außerdem ermittelte er die Höhe der in den nächsten sechs Jahren zu leistenden Ausgleichszahlungen – dies war die Dauer der damals gültigen Wohlverhaltensphase – und ermittelte einen Betrag von fast 70.000 €, den er ebenfalls als Verbindlichkeit und damit gewinnmindernd geltend machte. Das Finanzamt erkannte weder die geleisteten noch die als Verbindlichkeit passivierten Ausgleichszahlungen als Betriebsausgaben an.Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) wies die hiergegen gerichtete Klage ab: Betriebsausgaben sind Aufwendungen, die durch die Erzielung von Einkünften veranlasst sind. Es fehlte im Streitfall bereits an Aufwendungen, da die geleisteten Ausgleichszahlungen nicht aus dem Betriebsvermögen des Klägers abgeflossen sind. Mit der Zahlung in die Insolvenzmasse kam es lediglich zu einer Verschiebung des Geldbetrags innerhalb derselben Vermögenssphäre des Klägers, da die Geldbeträge ihm weiterhin zuzurechnen waren, bis die Insolvenzmasse an die Gläubiger verteilt wird; aufgrund der Zahlung in die Insolvenzmasse bestand nur eine sog. Verwendungsbindung der gezahlten Beträge, die Insolvenzbeschlag genannt wird. Außerdem fehlte es an der betrieblichen Veranlassung, da die Ausgleichszahlungen durch die private Lebensführung veranlasst waren. Die Ausgleichszahlungen waren nämlich nicht erforderlich, damit der Kläger auch weiterhin selbständig tätig sein kann; die Ausgleichszahlungen ermöglichten es dem Kläger vielmehr, dass er den wirtschaftlichen Ertrag seiner selbständigen Tätigkeit in möglichst großem Umfang behalten kann, ohne dass seine Einnahmen, die über die Ausgleichszahlungen hinausgehen, vom Insolvenzbeschlag betroffen sind. Die Ausgleichszahlungen und auch die Verbindlichkeit betrafen damit die Verwendung des Einkommens, und dies gehört zum Privatbereich. Hinweis: Der BFH macht deutlich, dass die Ausgleichszahlung keine Gebühr für die Freigabe der unternehmerischen Tätigkeit durch den Insolvenzverwalter ist. Die Freigabe bewirkt lediglich, dass der Kläger einen großen Teil seiner Einnahmen für sich behalten und verwenden kann und nicht den Gläubigern zur Verfügung stellen muss. Die Ausgleichszahlungen sollen verhindern, dass ein Unternehmer gegenüber einem Arbeitnehmer insolvenzrechtlich bessergestellt ist. Daher wird für den Unternehmer ein fiktives Arbeitnehmergehalt und ein pfändbarer Monatsbetrag errechnet. Offengelassen hat der BFH die Frage, ob die spätere Verwendung der Ausgleichszahlungen durch den Insolvenzverwalter zu Betriebsausgaben beim Kläger führen wird. Quelle: BFH, Urteil vom 3.3.2026 – VIII R 12/24; NWB