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  • Doppelte Haushaltsführung eines Unternehmers

    Doppelte Haushaltsführung eines Unternehmers

    Ein Unternehmer kann ebenso wie ein Arbeitnehmer eine doppelte Haushaltsführung unterhalten. Dies setzt voraus, dass der Schwerpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit außerhalb seines Lebensmittelpunkts liegt und dass er am Schwerpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit eine Zweitwohnung nutzt. Hat ein Unternehmer nur eine einzige Betriebsstätte, liegt dort der Schwerpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit.Hintergrund: Unternehmer können ebenso wie Arbeitnehmer eine doppelte Haushaltsführung begründen, wenn sie außerhalb ihres Hauptwohnsitzes ihren betrieblichen Schwerpunkt haben und dort eine Zweitwohnung unterhalten. Die Kosten für die wöchentlichen Fahrten zwischen ihrem Hauptwohnsitz und ihrem betrieblichen Tätigkeitsschwerpunkt sind dann – wie bei Arbeitnehmern – nur beschränkt steuerlich abziehbar. Außerdem kann der Unternehmer ebenso wie ein Arbeitnehmer Verpflegungsmehraufwendungen nur für die ersten drei Monate nach der Begründung der doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend machen.Sachverhalt: Der Kläger war als Berater selbständig tätig und wohnte in K, wo er weder Geschäftsräume noch ein Büro unterhielt, sondern nur ein häusliches Arbeitszimmer nutzte. In den Streitjahren 2016 bis 2018 war er fast ausschließlich für T in H tätig und mietete dort eine Wohnung an. An den Wochenenden fuhr er von H nach K zurück. Hierfür nutzte er ein betriebliches Kfz, das er zu mehr als 50 % für betriebliche Fahrten verwendete. Der Kläger machte die Kfz-Aufwendungen in vollem Umfang geltend. Das Finanzamt ging jedoch von einer doppelten Haushaltsführung aus und berücksichtigte die Aufwendungen für die Fahrten zwischen H und K nur als sog. Familienheimfahrten. Zudem berücksichtigte das Finanzamt die vom Kläger geltend gemachten Verpflegungsmehraufwendungen nur für die ersten drei Monate nach der Begründung der doppelten Haushaltsführung im Jahr 2016.Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) wies die hiergegen gerichtete Klage ab: In den Streitjahren lag eine doppelte Haushaltsführung vor. Daher waren die Aufwendungen für die Fahrten von H nach K nur beschränkt als sog. Familienheimfahrten absetzbar, und der Kläger konnte die Verpflegungsmehraufwendungen nur für die ersten drei Monate nach der Begründung der doppelten Haushaltsführung im Jahr 2016 steuerlich geltend machen. Die doppelte Haushaltsführung ergab sich daraus, dass der Kläger seinen Hauptwohnsitz in K hatte, seine betriebliche Tätigkeit aber schwerpunktmäßig in H erbrachte und dort auch eine Zweitwohnung unterhielt. Bei Unternehmern kommt es im Gegensatz zu Arbeitnehmern nicht auf die erste Tätigkeitsstätte, sondern auf den Schwerpunkt ihrer gesamten betrieblichen Tätigkeit an. Hat ein Unternehmer nur eine einzige Betriebsstätte, befindet sich dort der Schwerpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit. Der Kläger hatte nur eine Betriebsstätte in H, so dass sich dort auch der Schwerpunkt seiner gesamten betrieblichen Tätigkeit befand. Hinweise: Der BFH legt den Begriff der Betriebsstätte abweichend vom Begriff der ersten Tätigkeitsstätte, der für Arbeitnehmer gilt, aus. Im Übrigen lässt es der BFH offen, ob es für die doppelte Haushaltsführung eines Unternehmers erforderlich ist, dass er an seinem Tätigkeitsort eine Betriebsstätte haben muss. Der BFH brauchte diese Frage nicht zu beantworten, weil der Kläger eine Betriebsstätte in H hatte und es sich hierbei um seine einzige Betriebsstätte handelte. Damit befand sich dort auch der Schwerpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit des Klägers. Quelle: BFH, Urteil vom 19.5.2026 – VIII R 15/24; NWB

  • Aufwendungen für Fahrten eines Unternehmers zu einem großräumigen Arbeitsgebiet

    Aufwendungen für Fahrten eines Unternehmers zu einem großräumigen Arbeitsgebiet

    Ein selbständiger Unternehmer, der für seine Tätigkeit regelmäßig ein großräumiges Arbeitsgebiet aufsucht, hat dort nicht allein deshalb eine Betriebsstätte, weil sein Arbeitsgebiet großräumig ist. Eine Betriebsstätte hat er nur dann, wenn er über eine ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung verfügt, die er fortlaufend und regelmäßig zur Ausübung seiner betrieblichen Tätigkeit aufsucht; er kann dann nur die Entfernungspauschale für die Fahrten von seiner Wohnung zur Betriebsstätte steuerlich geltend machen.Hintergrund: Arbeitnehmer können ihre Fahrten zwischen Wohnung und ihrer ersten Tätigkeitsstätte grundsätzlich nur in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen. Für Unternehmer gilt bei Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte mit einem betrieblichen Fahrzeug Entsprechendes: Die auf diese Fahrten entfallenden tatsächlichen Kfz-Aufwendungen sind grundsätzlich nur bis zur Höhe der Entfernungspauschale als Betriebsausgaben abzugsfähig. Soweit die Aufwendungen die abziehbare Entfernungspauschale übersteigen, ist der übersteigende Betrag dem Gewinn wieder hinzuzurechnen.Sachverhalt: Der Kläger war als Lotse in einem Lotsenbezirk selbständig tätig. Um zu seinem Lotsenbezirk zu kommen, fuhr er mit seinem betrieblichen Kfz zu einem Parkplatz, den er fest angemietet hatte. Von dort aus fuhr er mit einem Boot zu dem Schiff, das er lotsen sollte. Die Wartezeiten bis zum nächsten Auftrag überbrückte er in einer Lotsenstation. Zweimal im Monat für jeweils vier Stunden arbeitete der Kläger in einer Radarstation. Der Kläger machte die auf seine Fahrten zum Lotsenbezirk entfallenden Kfz-Aufwendungen weitgehend als Betriebsausgaben geltend; das Finanzamt sah den Lotsenbezirk als Betriebsstätte an und berücksichtigte für sämtliche Fahrten des Klägers von seiner Wohnung zu seinen Einsätzen nur die Entfernungspauschale und erhöhte den Gewinn. Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) gab der hiergegen gerichteten Klage statt: Der Lotsenbezirk stellte keine Betriebsstätte des Klägers dar. Daher waren seine Kfz-Aufwendungen für die Fahrten von der Wohnung bis zum Lotsenbezirk in vollem Umfang als Betriebsausgaben abzusetzen und nicht auf den Abzug der Entfernungspauschale beschränkt. Der Begriff der Betriebsstätte eines Unternehmers ist normspezifisch auszulegen und nicht mit dem Begriff der Arbeitsstätte eines Arbeitnehmers identisch. Eine Betriebsstätte liegt vor, wenn der Unternehmer über eine betriebliche Einrichtung verfügt, die er mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. Regelmäßigkeit, zur Ausübung seiner Tätigkeit aufsucht. Diese Voraussetzung war weder hinsichtlich des angemieteten Parkplatzes noch bezüglich der Lotsenstation, in der der Kläger auf seine nächsten Aufträge wartete, noch in Bezug auf die Radarstation erfüllt. Der Kläger war nämlich weder am Parkplatz noch in der Lotsenstation tätig; den Parkplatz nutzte er nur, um dort sein Kfz abzustellen, und in der Lotsenstation wartete er nur auf seinen nächsten Auftrag. In der Radarstation arbeitete der Kläger zwar zweimal im Monat für jeweils vier Stunden; er hat die Radarstation aber nicht fortdauernd aufgesucht, und dort befand sich auch nicht der Mittelpunkt seiner betrieblichen Tätigkeit. Vielmehr lag der Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit auf den jeweiligen Schiffen, die er lotste; die Schiffe waren aber keine Betriebsstätten des Klägers. Zwar wird bei Arbeitnehmern auch ein groß- bzw. weiträumiges Arbeitsgebiet als erste Tätigkeitsstätte angesehen; dies ergibt sich aus einer gesetzlichen Regelung, die für Arbeitnehmer gilt. Die gesetzliche Regelung für Unternehmer, die den Betriebsausgabenabzug für Fahrten von der Wohnung zur Betriebsstätte beschränkt, nimmt auf diese Regelung, die für Arbeitnehmer gilt, jedoch nicht der Bezug. Der Begriff des großräumigen Arbeitsgebiets ist damit nur für Arbeitnehmer relevant, gilt aber nicht für Unternehmer entsprechend. Hinweise: Mit diesem Urteil ändert der BFH seine bisherige Rechtsprechung. Dies beruht auf einer Gesetzesänderung, die das steuerliche Reisekostenrecht für Arbeitnehmer ab dem Jahr 2014 geändert hat. In dieser Änderung ist zwar für Arbeitnehmer ausdrücklich das großräumige Arbeitsgebiet geregelt worden; jedoch verweist die gesetzliche Regelung für Unternehmer nicht auf die für Arbeitnehmer geltende Definition des großräumigen Arbeitsgebiets. Aus diesem Grund führt allein die Großräumigkeit des Einsatzgebiets bei Unternehmern nicht zu einer Betriebsstätte. Erforderlich ist vielmehr, dass der Unternehmer über eine betriebliche Einrichtung verfügt, die er mit einer gewissen Nachhaltigkeit zur Ausübung seiner Tätigkeit aufsucht.Quelle: BFH, Urteil vom 23.6.2026 – VIII R 13/24; NWB

  • Finanzgericht hält Höhe der Aussetzungszinsen ab 2014 für verfassungswidrig

    Finanzgericht hält Höhe der Aussetzungszinsen ab 2014 für verfassungswidrig

    Das Finanzgericht Münster (FG) hält die Höhe der Zinsen, die bei einer Aussetzung der Vollziehung gezahlt werden müssen, wenn der Einspruch bzw. die Klage keinen Erfolg gehabt hat, für Zeiträume ab dem 1.1.2014 für verfassungswidrig. Die Entscheidung des FG ist im einstweiligen Rechtsschutz ergangen. Hintergrund: Ein Steuerpflichtiger kann gegen einen Bescheid, mit dem er nicht einverstanden ist und der zu einer Nachzahlung führt, Einspruch einlegen und Aussetzung der Vollziehung beantragen. Wird die Vollziehung antragsgemäß ausgesetzt, hat aber später der Einspruch oder die anschließende Klage endgültig keinen Erfolg, wird der ausgesetzte Steuerbetrag verzinst, und zwar mit 0,5 % pro Monat, also 6 % p.a.Sachverhalt: Die Antragsteller hatten zahlreiche Rechtsstreitigkeiten für Besteuerungszeiträume ab 1995 bis 2007 geführt. Während dieser Rechtsstreitigkeiten hatten sie auch immer wieder erfolgreich Aussetzung der Vollziehung beantragt, so dass die Aussetzung der Vollziehung gewährt wurde. Nachdem die Verfahren beendet worden waren und die Antragsteller nicht alle Verfahren gewonnen hatten, setzte das Finanzamt Aussetzungszinsen fest, soweit die Antragsteller endgültig verloren hatten; dabei wandte das Finanzamt den gesetzlichen Zinssatz von 6 % p.a. an. Gegen die entsprechenden Zinsfestsetzungen erhoben die Antragsteller Einspruch und Klage. Außerdem beantragten sie die Aussetzung der Vollziehung der Zinsbescheide, soweit sie auf Zeiträume ab dem 1.1.2014 entfielen. Dies lehnte das Finanzamt ab.Entscheidung: Das FG gewährte die Aussetzung der Vollziehung des Zinsfestsetzungsbescheids für Zeiträume ab dem 1.1.2014: Aussetzung der Vollziehung ist zu gewähren, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines Bescheids bestehen. Die ernstlichen Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Zinsfestsetzungsbescheids ergeben sich aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zur Verfassungswidrigkeit des Zinssatzes von 6 % p.a. für Nachzahlungszinsen. Zwar hat das BVerfG sich nur zu Nachzahlungszinsen und nicht zu Auszahlungszinsen geäußert; es hat aber den Zinssatz für Nachzahlungszinsen bereits für Zeiträume ab dem 1.1.2014 als verfassungswidrig angesehen. Diese Überlegungen des BVerfG lassen sich dem FG zufolge auf Aussetzungszinsen übertragen. Hinweise: Da der Beschluss des FG nur im Eilverfahren ergangen ist, gilt er nur für den konkreten Streitfall. Allein das BVerfG kann verbindlich über die Verfassungsmäßigkeit einer Norm und damit über die Verfassungsmäßigkeit der Höhe des Zinssatzes für Aussetzungszinsen entscheiden. Das BVerfG hatte in seiner Entscheidung zu Nachzahlungszinsen zwar den gesetzlichen Zinssatz von 6 % für Zeiträume ab dem 1.1.2014 als verfassungswidrig angesehen; es hatte den Zinssatz aber für Verzinsungszeiträume bis einschließlich 2018 aus Gründen des Haushalts noch als anwendbar angesehen. Erst für Verzinsungszeiträume ab 1.1.2019 musste der Gesetzgeber eine Neuregelung in Kraft setzen; diese Neuregelung führte zu einem Zinssatz für Nachzahlungs- und Erstattungszinsen von 1,8 % p.a., der allerdings nach den aktuellen Plänen des Gesetzgebers ab 2027 auf 3,6 % p.a. verdoppelt werden soll.Quelle: FG Münster, Beschluss vom 3.6.2026 – 9 V 583/26; NWB